Lokale Suche im Umbruch: Was das Google-Update vom Dezember 2025 für Zahnarztpraxen bedeutet
Im Dezember 2025 nahm Google eine größere Anpassung am Suchalgorithmus vor. Bei einem solchen sogenannten Core-Update bewertet die Suchmaschine neu, welche Inhalte und Unternehmen für Suchende am relevantesten sind.
Das Update lief vom 11. bis zum 29. Dezember 2025, mitten in die Feiertage hinein, und sorgte für massive Verschiebungen in den lokalen Suchergebnissen.
Joy Hawkins von Sterling Sky, eine der anerkanntesten Stimmen im lokalen SEO, schrieb dazu auf X:
It was the most dramatic algorithm update for small businesses (local SEO) that I think I’ve ever seen. […] I think the days of algorithm updates not having huge impacts on small businesses might be over.
Sinngemäß: Es sei das dramatischste Algorithmus-Update für kleine Unternehmen im lokalen SEO, das sie je erlebt habe. Die Zeiten, in denen solche Updates keine großen Auswirkungen auf kleine Unternehmen hatten, seien vorbei.
Hawkins bezieht sich dabei auf die Gesamtentwicklung der lokalen Suche: von KI-gestützten Local Packs bis zur wachsenden Dominanz von Werbeanzeigen. Wir sehen zusätzlich einen weiteren Effekt, der Zahnarztpraxen besonders betrifft: die stärkere Gewichtung von Proximity.
Was ist ein Google Core-Update?
Ein Core-Update ist eine größere Überarbeitung dieser Bewertungslogik. Google ändert dabei keine einzelne Regel, sondern justiert das gesamte System neu – wer sichtbar ist, wer weiter oben erscheint und warum. Ein Core-Update ist keine Strafe, es ändern sich lediglich die Spielregeln.
Erstmals betrifft ein Core-Update das lokale SEO sehr massiv. Frühere Core-Updates hatten kaum messbare Auswirkungen auf lokale Rankings in Google Maps. Viele Praxen, darunter auch Kunden von uns und deren Wettbewerber, haben spürbar an Sichtbarkeit verloren.
Was hat sich konkret verändert?
Google hat die lokalen Suchergebnisse stärker auf Nähe ausgerichtet – man könnte von einer Dezentralisierung der lokalen Suche sprechen. Konkret bedeutet das: Standorte, die bisher über einen sehr großen Radius hinweg sichtbar waren, werden jetzt nur noch in einem kleineren Umkreis ausgespielt.
Ein Beispiel: AllDent, eine der bekanntesten Dentalketten in Deutschland mit rund 19 Standorten in deutschen Großstädten, hat allein am Standort Frankfurt am Main über 5.000 Google-Bewertungen. Vor dem Update war die Praxis im Großteil der Frankfurter Innenstadt bei Suchanfragen wie [zahnarzt frankfurt] unter den ersten drei Ergebnissen sichtbar, also Teil des sogenannten »Local Packs«. Nach dem Update ist die Reichweite deutlich geschrumpft: Schon 300 m nordwestlich vom Standort entfernt rankt AllDent Frankfurt laut unserem Monitoring nur noch auf Position 7. Das zeigt: Selbst eine hohe Bewertungsanzahl und starke Markenbekanntheit schützen nicht mehr vor dem stärkeren Proximity-Faktor.
![Verlauf der Sichtbarkeit einer großen Frankfurter Zahnarztpraxis für den Suchbegriff [zahnarzt frankfurt] zwischen August 2024 und März 2026.](https://www.discover-dental.de/assets/alldent-sichtbarkeit-2025-2026-1.jpg)
Das Local Pack (auch »3-Pack«) ist der Bereich in den Google-Suchergebnissen, der eine Karte und die drei relevantesten lokalen Unternehmen zeigt. Für Suchanfragen wie [zahnarzt frankfurt] ist das Local Pack der prominenteste Platz, noch vor den klassischen Website-Ergebnissen.
Der entscheidende Faktor dahinter: Proximity, also die geografische Nähe zwischen der suchenden Person und der Praxis, hat massiv an Gewicht gewonnen. Google bevorzugt jetzt stärker als je zuvor das Ergebnis, das geografisch am nächsten liegt.
Das hat zwei Seiten: Kleinere Praxen, die vorher weniger sichtbar waren, können nun mehr Patienten über Google Maps erreichen. Gleichzeitig verlieren jene Praxen an Sichtbarkeit, die zuvor die Ergebnisse bei Google dominiert haben.
Ist die Nähe zum Stadtzentrum ein Vorteil?
Eine Beobachtung, die wir nach dem Update machen, aber bewusst als Hypothese formulieren: Bei Suchanfragen, die einen Stadtnamen enthalten (z. B. [zahnarzt würzburg]), scheinen Praxen mit Standort nahe dem Stadtzentrum tendenziell besser zu ranken als Praxen in Randlagen. Das ist plausibel, weil Google das geografische Zentrum einer Stadt als Referenzpunkt für solche Suchanfragen nutzen dürfte. Wer hingegen ohne Stadtnamen sucht (z. B. nur [zahnarzt in meiner nähe]), bei dem zählt primär der tatsächliche Standort der suchenden Person. Der Praxisstandort ist kein Faktor, den man verändern kann. Aber er hilft bei der Einordnung, warum manche Praxen nach dem Update besser dastehen als andere.
Öffnungszeiten, Bewertungen und das Google Unternehmensprofil
Neben der Proximity gibt es drei Faktoren, die für lokale Rankings besonders wichtig sind – teilweise schon vor dem Update, teilweise durch das Update nochmals verstärkt.
Öffnungszeiten sind kritischer denn je
Diesen Effekt beobachten wir bereits seit Ende 2024, also nicht erst seit dem Core-Update: Wenn eine Praxis an einem Feiertag als »geschlossen« markiert ist, wird sie in diesem Zeitraum deutlich schlechter oder gar nicht in den lokalen Ergebnissen ausgespielt. Der Effekt hält oft länger an als der Feiertag selbst, teilweise eine Woche oder länger.
Was sich durch das Update verändert hat: In einem Umfeld, in dem Proximity ohnehin stärker gewichtet wird und die Sichtbarkeitsradien kleiner geworden sind, wiegt jeder zusätzliche Nachteil schwerer. Wer jetzt auch noch durch falsche Öffnungszeiten aus den Ergebnissen fällt, verliert doppelt.
Bewertungen: Aktualität und Kontinuität schlagen Masse
Bewertungen bleiben der stärkste aktiv steuerbare Hebel für lokale Rankings. Aber die Gewichtung hat sich verschoben: Die absolute Zahl an Bewertungen ist nicht mehr so ausschlaggebend wie früher. Was zählt, ist die Aktualität: ob regelmäßig neue, authentische Rezensionen im Google Unternehmensprofil eingehen.
Dabei erkennt Google Muster. Wenn an zwei Tagen im Monat plötzlich zehn Bewertungen eingehen und danach wochenlang nichts passiert, ist das kein natürliches Muster. Solche Auffälligkeiten können dazu führen, dass Google Bewertungen sperrt oder nicht anzeigt. Entscheidend ist deshalb die Regelmäßigkeit, nicht die Menge pro Tag.
In der Praxis bewährt sich ein einfacher Ansatz: QR-Code-Karten, die Patienten nach dem Termin mitgegeben werden, und QR-Code-Aufsteller im Wartezimmer oder an der Rezeption. Beides macht Patienten darauf aufmerksam, dass sie die Praxis bewerten können, und sorgt für einen kontinuierlichen Bewertungsfluss. Solange Patienten in ihrem eigenen Tempo bewerten, ist alles im grünen Bereich. Problematisch wird es erst bei gezielten Sammelaktionen, bei denen Patienten aktiv zum sofortigen Bewerten gedrängt werden.
Wichtig ist auch, Bewertungen zu beantworten – das ist für unsere Kunden selbstverständlicher Teil unserer Betreuung und signalisiert Google wie Patienten gleichermaßen, dass die Praxis aktiv ist.
Darüber hinaus gewinnen auch andere Bewertungsportale an Bedeutung: Jameda, GoLocal und vergleichbare Plattformen spielen zunehmend eine Rolle für die Sichtbarkeit in der KI-gestützten Suche, also in Tools wie ChatGPT, Perplexity oder den AI Overviews von Google. Diese KI-Systeme greifen auf verschiedene Quellen zu und gewichten Bewertungen plattformübergreifend. Wer nur auf Google-Bewertungen setzt, verschenkt hier Potenzial. Das ist unabhängig vom Core-Update ein eigenständiger Trend, den wir im Blick behalten.
Google Unternehmensprofil: die Grundvoraussetzung
Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Kategorien, Leistungen – alles sollte vollständig und korrekt/aktuell sein. Das bleibt die Basis, auf der alles andere aufbaut. Gibt es relevante Änderungen (z. B. der Öffnungszeiten), dann sollte das zeitnah im Google Unternehmensprofil und in allen relevanten Verzeichnissen aktualisiert werden.
Website-Qualität und E-E-A-T
Unabhängig vom Core-Update bleibt die inhaltliche Qualität der Website ein zentraler Faktor. Google bewertet Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit (E-E-A-T). Besonders bei Themen mit direktem Einfluss auf die Gesundheit (sogenannte YMYL-Inhalte).
Google stuft Inhalte, die sich direkt auf Gesundheit, Finanzen oder Sicherheit auswirken, als besonders sensibel ein. Für solche Themen gelten strengere Qualitätsmaßstäbe. Zahnarzt-Websites fallen in diese Kategorie, weil sie gesundheitsbezogene Inhalte bereitstellen.
Für Zahnarztpraxen bedeutet das:
- Klare Darstellung der Qualifikationen und des Praxisteams.
- Echte, informative Behandlungsseiten statt generischer Texte.
- Transparente Praxisinformationen: Adresse, Kontakt, Öffnungszeiten.
Dünne oder austauschbare Inhalte verlieren an Sichtbarkeit, Seiten mit echtem Fachwissen und lokalem Mehrwert gewinnen.
Die technische Qualität der Website spielt ebenfalls eine Rolle – besonders dann, wenn mehrere Praxen inhaltlich ähnlich gut aufgestellt sind. In diesem Fall kann die Technik den Ausschlag geben: Wie schnell lädt die Seite? Funktioniert sie einwandfrei auf dem Smartphone? Sind die Inhalte sauber strukturiert? Umgekehrt gilt: Schlechte technische Werte können negative Ranking-Effekte zusätzlich verstärken.
Was jetzt wichtig ist
Wir möchten an dieser Stelle offen sein: Nach einem Core-Update gibt es keinen Quick Fix. Es gibt keinen Schalter, den man umlegen kann, um verlorene Rankings sofort zurückzuholen.
Google selbst sagt: Seiten, die nach einem Core-Update verlieren, haben nicht zwingend etwas falsch gemacht. Die Bewertungsgrundlage hat sich verschoben.
Das ist ein entscheidender Unterschied zu einer Penalty (Abstrafung durch Google). Keine Praxis wurde bestraft. Google hat die Gewichtung verändert, welche Ergebnisse für welche Suchanfragen am relevantesten sind.
Warum Geduld Teil der Strategie ist
Das klingt zunächst unbefriedigend, ist aber fachlich die richtige Einordnung: Der Rollout ist seit Ende Dezember abgeschlossen, und inzwischen hat sich das Bild stabilisiert. Wer nach einem Core-Update an Sichtbarkeit verloren hat, wird diese in der Regel nicht durch einzelne Maßnahmen kurzfristig zurückgewinnen. Erholung kommt häufig erst mit dem nächsten Core-Update, wenn Google die Bewertungsgrundlage erneut anpasst.
Das bedeutet nicht, dass man nichts tun kann. Es bedeutet, dass hektische Sofortmaßnahmen der falsche Weg sind. Wer jetzt aus Panik die Website umstrukturiert oder auf einen Schlag dutzende neue Unterseiten erstellt, riskiert mehr Schaden als Nutzen.
Die richtige Reaktion auf ein Core-Update ist deshalb nicht Aktionismus, sondern Fokus: gezielt die Faktoren stärken, die bei der nächsten Bewertungsrunde durch Google den Unterschied machen können.
Den Fokus auf das Beeinflussbare legen
Der größte Hebel dieses Updates, Proximity (geografische Nähe), ist nicht beeinflussbar. Die Praxis steht, wo sie steht. Gerade deshalb wird alles andere umso wichtiger: die Faktoren, die aktiv steuerbar sind.
Diese Maßnahmen retten kein Ranking über Nacht. Aber sie stärken die Position für die nächste Bewertungsrunde durch Google:
- Bewertungen: Kontinuierlich und organisch aufbauen. Aktualität schlägt Masse.
- Google Unternehmensprofil: Vollständig, korrekt, aktuell.
- Website-Inhalte mit echtem Fachwissen: Behandlungsseiten, die zeigen, dass hier echte Experten arbeiten; keine austauschbaren Standardtexte.
- Technische Basis der Website: Ladezeiten, mobiles Design, strukturierte Daten. Das allein bringt keine Ranking-Sprünge, aber wenn die anderen Faktoren stimmen, kann die Technik den entscheidenden Unterschied machen.
Was wir beobachten
Das Core-Update vom Dezember 2025 ist nicht das Ende der Entwicklung, es könnte ein Vorbote sein. Neben dem Core-Update beobachten wir zwei weitere Entwicklungen, die technisch unabhängig davon sind, aber parallel stattfinden und die lokale Suche zusätzlich verändern:
AI Overviews sind in Deutschland angekommen. Wir sehen erste konkrete Beispiele, bei denen Zahnarztpraxen in den KI-generierten Übersichten am oberen Rand der Suchergebnisse erscheinen – zusätzlich zum klassischen Local Pack.
In den USA geht Google bereits einen Schritt weiter: Dort testet Google auf Mobilgeräten KI-gestützte Local Packs, die das klassische 3-Pack teilweise ersetzen. Diese zeigen nur noch ein bis zwei Unternehmen, haben keine Anruf-Buttons und decken laut Daten von Places Scout (einem Analysetool für lokale Suchergebnisse) nur rund ein Drittel der Unternehmen ab, die im herkömmlichen Local Pack sichtbar waren. Ob und wann dieses Format nach Deutschland kommt, ist offen, aber wir behalten es im Blick.
Werbeanzeigen im Local Pack werden zunehmend prominenter. Der Anteil gesponserter Einträge im 3-Pack steigt, organische Listings rutschen weiter nach unten. Auch im deutschsprachigen Markt sehen wir immer häufiger zwei statt eines gesponserten Ergebnisses. Organische Sichtbarkeit allein reicht langfristig möglicherweise nicht mehr aus.
Die lokale Suche verändert sich wie selten zuvor. Wir behalten die Entwicklungen im Blick und melden uns, wenn es etwas Wichtiges gibt. Wer Fragen hat oder unsicher ist, wie die eigene Praxis aktuell aufgestellt ist: Wir sind jederzeit ansprechbar.





